Tri-Tra-Triathlon in Linz

Bevor es zu unserem ersten Urlaubsziel ging, fragten mit viele Kollegen und Freunde: „Was wollt ihr denn in Linz?“ oder „Linz, das in Österreich?“. Ja, wir waren in Linz, der Hauptstadt Oberösterreichs. Und es hat uns gefallen! Die Stadt ist wunderschön an der Donau im Dreiländereck (Deutschland, Tschechien und Österreich) gelegen mit dem angrenzenden hügeligen Mühlviertel. Was wir ausgerechnet da wollen ist leicht beantwortet. Ich, Fjodor, habe nach einer neuen sportlichen Herausforderung (Triathlon Mitteldistanz) am Anfang des Sommers gesucht und eine Internetrecherche hat uns nach Linz geführt. 


Die Triathlonveranstaltung hat alle Kriterien erfüllt und sah bereits im Internet sehr gut aus. Also eben schnell angemeldet und das empfohlene Hotel (Harrys Home) gebucht. Als Teilnehmer der Veranstaltung hat man es fast 50% günstiger bekommen und es hatte für uns eine perfekte Lage: direkt am Pleschinger See, wo die Veranstaltung ausgetragen wurde.


Wir kamen am Freitag mittags in Linz an und checkten erstmal ein. Die Sonne strahlte mit uns bei 30° um die Wette und das Panorama hat sein Übriges getan. Wir sind zunächst an den See gegangen und haben mich angemeldet. Die Veranstaltung, obwohl mit 1200 Startern recht groß, ist sehr „familiär“ geführt und schon fast chaotisch organisiert. Uns hat das sehr gefallen: Anmeldung problemlos, ohne Schlange, Pasta all you can eat, Getränkeservice, eine kleine Expo, sehr bemühte Veranstalter - was will das Sportlerherz mehr? Triathleten können in Linz in drei Disziplinen antreten, Sprint (750m Schwimmen, 20km Rad und 5km Laufen), Olympisch (ca. das Doppelte) und die halbe Ironmandistanz (1,9km Schwimmen, 90km Rad und 21,1km laufen). Letztere war meine Distanz. Jana wollte beim Sprint mitmachen, musst sich allerdings einer Achillessehnenreizung geschlagen geben und so konnte sie leider nicht an den Start gehen.

Nach der Anmeldung dann noch eine kurze Runde im See schwimmen und dann ging es in die Stadt. Der See ist der absolute Oberhammer, bei einer maximalen Tiefe von 8m, fast durchgehendem Sandboden, mehreren Badeinseln und einem Rasenufer freut man sich auf die Abkühlung (Wassertemp. 24°). Ich hoffe, ich habe bereits das Panorama erwähnt, denn das ist auch vom See zu sehen … In der Stadt dominiert die Donau das Bild. Sie fließt mitten durch das Zentrum und das Leben spielt sich am Ufer ab. Am Anleger liegen mehrere Flusskreuzfahrer (Jana: „Nein, das sind doch nur Tagesausflugsboote“ - waren sie nicht). Wie immer vor einer ausdauernden Sportveranstaltung musste es Nudeln geben, also haben wir uns nach einem Italiener umgeschaut. Im Internet habe ich von einem netten an der Kirche gelesen, nur leider hat Linz diverse Kirchen in der Altstadt. Wir waren zwar nicht lange in der Stadt und das ist vielleicht kein Ort, um wochenlang Urlaub zu machen, aber als Zwischenstop oder Abstecher uneingeschränkt zu empfehlen. Gegessen haben wir dann schliesslich draußen bei Mia Cara. Ein hervorragender Italiener mit einer der besten Lasagnes, die ich kenne.

Unser Samstag begann früh (8 Uhr morgens). Zunächst haben wir alle meine Sachen zum Start gebracht und diese in der Wechselzone aufgebaut. Danach schauten wir den Start der Sprinter an. Jana hatte ein bisschen Pipi in den Augen, weil Sie nicht mitmachen konnte, aber zwei Eis über den Tag haben sie denke ich vertröstet ;). Ein kurzes Frühstück, etwas ausruhen und schon sind wir an den Start gegangen. Schwimmstart war Punkt zwölf. Mit dabei: Michael Raelert, der Weltmeister auf der Distanz. Mein Ziel zu gewinnen wurde also gleich zu Beginn zersprengt ;).


Schwimmen: Als der Startschuss fällt ,geht es los in den Pleschinger See, 1 mal rum (ca. 1000m), dann ein kurzer Landgang und danach noch einmal rum und zum Ausstieg (ca. 900m). Ich weiss nicht, wer von euch schonmal bei einem Triathlon mitgemacht hat, aber Schwimmen ist was Besonderes. Eine Gruppe von ca. 400 Startern versucht sich auf einer Fläche von ca. 50qm im Wasser zu halten und danach die Ideallinie zu schwimmen. Das bedeutet, dass sobald alle von der senkrechten in die waagerechte Haltung zum schwimmen wechseln man plötzlich noch weniger Platz hat und somit Füße von anderen im Gesicht oder Arme auf dem Hintern etc. hat. Es ist dabei nicht ganz einfach die Orientierung zu behalten. Verschlucken, schwimmen in Schlangenlinie und Tritte gehören eben dazu. Da ich nicht der beste Schwimmer bin und vor allem auf der zweiten Runde mit der Orientierung gehadert habe bin ich im letzten Drittel des Feldes aus dem Wasser, wo mich Jana lautstark angefeuert hat.


Rad: Nach einem kurzen Wechsel stieg ich auf meine Biene (so heisst mein Rennrad, auf den Fotos seht ihr warum). 90km bei mittlerweile 30° und insgesamt ca. 1200 Höhenmeter waren zu bewältigen. Vor dieser Disziplin hatte ich am meisten Respekt, da man als Nordlicht jetzt nicht unbedingt viele Höhenmeter trainieren kann. Zu meinem Erstaunen lief es richtig gut, aber so richtig! Nach nur 2h 54min bin ich wieder am Pleschinger See gewesen, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32km/h ausmacht. Radfahren hat einfach nur Spaß gemacht, ich habe unzählige Teilnehmer überholt und wurde selber nur drei mal von der Konkurrenz überholt. Leider hat meine gute Leistung beim Radfahren sehr viel Kraft gekostet …


Laufen: … und ich hätte nicht protestiert, wenn das Rennen hiernach vorbei gewesen wäre, aber es musste ja noch ein Halbmarathon (21,1km) absolviert werden. Da ich eigentlich vom Laufen in den Triathlonsport gekommen bin, ist das für mich die einfachste Disziplin. Nach mittlerweile fast vier Stunden Sport und einer Temperatur von 34° wollte der Körper dann aber doch nicht so wie der Kopf. Die Laufstrecke ist wunderschön direkt an der Donau gelegen und alle drei Kilometer gab es Abkühlung aus dem Schlauch und Getränke, aber bei den Temperaturen ist man leider viel zu schnell wieder trocken. Somit musste ich beim Laufen das Tempo leider etwas rausnehmen. Die 21km kamen mir ewig vor und mindestens der zweite Streckenabschnitt musste durch unbändigen Willen durchgebracht werden. Gott war ich froh, als ich das Ziel endlich gesehen habe und die Uhr zeigte immer noch eine 5 vorne. Damit bin ich dann völlig erschöpft, aber unendlich glücklich in 5h und 53min über die Ziellinie. Vor allem wenn man bedenkt, dass von knapp 400 Startern ca. 60-70 nicht die Ziellinie erreicht haben.


Linz ist sehr sportlich, der Lokalmatador wurde zweiter, und das Event konnte bei mir in aller Hinsicht punkten: Es ist eine kleinere Veranstaltung ohne viel Schick-Micki. Den familiären Aspekt merkt man an allen Ecken und Kanten, nicht zuletzt an den frischen Leberkässemeln im Ziel. Jana konnte im Ziel direkt vorbei kommen, was bei Großveranstaltungen wie bspw. Hamburg-Triathlon nicht denkbar ist. Die Kosten im Vergleich zu einer vergleichbaren Veranstaltung unter dem Ironman-Label liegen bei knapp einem Drittel und die Kulisse ist wirklich einmalig. Mein einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir richtige Duschen gewünscht und nicht nur die Kaltwasserduschen am See.


Nach dem Sport ging es 85km direkt an der Donau nach Passau. Die Strecke ist wunderschön und wenn ihr mal in der Region seid, dann nehmt nicht die Autobahn, sondern fahrt am Flus entlang - es lohnt sich! In Passau waren haben wir dann einen Platz in einem Biergarten direkt am Fluss gefunden (Hacklberg). Ach, war das herrlich. Ich habe mich fahren lassen und noch zwei Bier auf den Erfolg getrunken, denn wer Sport machen kann, muss auch feiern können ;)

Fjodor

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