Postkartenmotive der rockies soweit das Auge reicht.

Die kanadischen Rocky Mountains – es war schon immer ein Traum von mir diese zu besichtigen. Irgendwie anders als die Alpen, irgendwie rauer, naturbelassener, bezaubernder und faszinierender.

Nachdem Jana und ich bereits 2013 einen Trip in die Rockies geplant haben, dann allerdings wegen noch zugefrorenen Seen und geschlossenen Campingplätzen (und das Ende Mai!) abgesagt und stattdessen nach Bali geflogen sind, sollte es diesmal endlich klappen. Aus Vancouver rein in den Mietwagen und ab ging es Richtung Jasper. Mein Mietwagen, immerhin ein Jeep Patriot, erschien mir sehr groß, aber in Kanada ist das eher ein Kleinwagen :) Jasper liegt etwa 800km von Vancouver. Der Weg dorthin ist nicht besonders spannend und leider hat es auch den gesamten Tag geregnet. So war das Autofahren auch keine Belastung und ich hatte nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Jasper liegt im Norden des Jasper National Parks, der im Süden an den Banff National Park grenzt. Eins sei vorweg gesagt: die Kulisse ist der absolute Wahnsinn! Man ist umringt von wirklich atemberaubender Natur und kilometerhohen Bergen. Für alle die sich in der Ecke nicht so gut auskennen: Jasper und Banff sind die beiden Orte in Kanada wo Postkartenmotive geschossen werden ;) Von Jasper bin ich in mehreren Tagen über den Icefieldsparkway und Lake Louise bis nach Banff gefahren. Diese „nur“ etwa 300 Kilometer lange Strecke brachte mein Outdoor-Herz zum Strahlen und ich hätte gerne deutlich länger in den Rockies verbracht. So waren es immerhin fünf Tage.

Leider muss ich gestehen, dass mir nicht alles an den Rockies gefallen hat und deshalb habe ich mir überlegt den Bericht diesmal etwas anders zu gestalten…


Das Positive:

Die Natur in den kanadischen Rocky Mountains ist einfach phänomenal! Die Strasse zwischen Jasper und Banff verläuft mitten durch das bewaldete Tal der Rockies an einem Fluss entlang. Man hat das Gefühl jederzeit einem Bären oder Elch zu begegnen und genießt einfach die Strecke mit dem Panorama. Alle zehn bis zwanzig Kilometer gibt es einen Grund anzuhalten: Wasserfall hier, Aussichtspunkt dort, türquiser See, Gletscher … Die Landschaft kann ich einfach nicht beschreiben, deshalb versuche ich es auch gar nicht und empfehle meine Fotos anzuschauen :)


Besondere Highlights:

  • Maligne Canyon: Ein fünf Kilometer Hike durch den Canyon mit mehreren Brücken und einem Fluss der immer größer wird.
  • Maligne Lake: Ein sehr großer und abgeschieden gelegener See. Liegt nicht direkt an der Jasper-Banff Verbindung (etwa 100km Umweg). Der Umweg lohnt sich aber! Nicht nur der See ist wunderschön, sondern auch die Fahrt dahin ist ein Erlebnis.
  • Athabasca Falls: Ein kleinerer Wasserfall mit einem wunderschönen Panorama.
  • Athabasca Gletscher: Einer der vielen Gletscher des Columbia Icefields. Nur so am Rande: das Icefield ist größer als Hamburg. Der Gletscher ist sehr gut von der Strasse erreichbar und wirklich ein Highlight der Reise.
  • Peyto Lake: Der See mit dem türquisesten Wasser, das ich jemals gesehen habe! Tipp: bis zum Busparkplatz fahren, der Aussichtspunkt liegt direkt da in der Nähe.
  • Lake Louise: Mein persönliches Highlight! Der See ist unglaublich schön und ich hätte Tage nur an diesem zwei Kilometer langen See verbringen können. So musste ich nach nur etwa vier Stunden bereits gehen. Sehr empfehlenswert ist auch die Wanderung zum Aussichtspunkt des Viktoria-Gletschers über das Teehaus.
  • Das Teehaus: Eine kleine Hütte in den Bergen und wahrscheinlich nicht nennenswert, aber als ich da war (anfang Oktober – ende der Saison) stand ein Schild: „Es ist leider bereits Ende der Saison und um kein Essen wegzuschmeißen sind folgende Sachen leider ausverkauft: …“ An dieser Stelle folgte eine elendig lange Liste mit Dingen die es nicht mehr gibt. Abschließend stand aber noch da: „aber kommen sie trotzdem ruhig rein, wir haben noch andere tolle Dinge“. Ich fand das sehr sympatisch :)
  • Lake Moraine: Wenn man Postkarten aus Kanada sieht und den Blick nicht mehr abwenden kann, dann ist vermutlich Lake Moraine abgebildet. Ja, er ist so schön wie er aussieht und noch viel besser. Ich würde sofort dort ein Haus bauen wenn ich könnte…
  • Fairmont Springs Banff: Ein unbezahlbares Hotel (und nicht mal sonderlich gut), aber dieses Hotel vor der Kulisse sieht einfach gigantisch aus!
  • Alle Microbrews der Gegend: In Jasper und Banff gibt es eigene Brauhäuser mit exzellenten Ales und leckeren Burger (ich habe Elch gegessen – etwas trocken aber sonst sehr lecker)
  • Wildlife: In der Gegend leben Elche, Rehe, Bären, Grizzlies und weitere kleinere Nager. Man trifft die Tiere überall (Straße, Vorgärten, beim Joggen ...). Das unterstreicht das Gefühl mitten in komplett unberührter Natur zu sein. Es ist als sei man in einem gigantischen Zoo und nur auf sich alleine gestellt - einfach wild :)

Dinge die sich aus meiner Sicht nicht unbedingt lohnen:

  • Grizzly Gondola Lake Louise: Aus meiner Sicht überbewertet und den Preis nicht unbedingt wert. (Achtung: auf keinen Fall das Ride & Dine Paket buchen, das Essen ist abschäulich)
  • Jegliche Boots-Touren auf den Seen. Lieber etwas wandern, als die 50€ für eine Stunde Boot zu bezahlen. Um jeden See gibt es perfekt ausgebaute Wanderwege.

 

Das Negative:

  • So uberührt die Natur auch ist, überall sind Touristen. Banff begrüßt etwa zwei Millionen Touris jedes Jahr! Und das in einem Dorf, das aus vielleicht zehn Strassen besteht. An jedem Punkt gibt es einen überfüllten Busparkplatz und jeder Aussichtspunkt ist übersäht mit Asiaten. Nur zur Verdeutlichung: ich war jetzt Anfang Oktober da und damit weit ausserhalb der Hauptsaison Juli und August, trotzdem musste ich über einen Kilometer vom Moraine Lake wegparken, obwohl es einen Parkplatz gibt.
  • Die Preise: Kanada ist generell nicht billig und die Touristen tun ihr Übriges die Preise in die Höhe steigen zu lassen. Aber eine solche Abzocke wie hier habe ich selten erlebt! Ein Beispiel: man bezahlt pro Auto $20 Gebühr für den Nationalpark pro Tag! Im Athabasca Hotel (Jasper) aus 1929 und seitdem gefühlt nicht renoviert, habe ich für ein Zimmer mit Etagendusche $99 bezahlt. Dazu kommen die Steuern 5%, dann die Albertahotelsteuer für alle Ausländer von 4% und die Nationalparksteuer von 2%. Sorry, aber das ist einfach zu krass.
  • Das Essen: Das Essen fand ich im Allgemeinen in Kanada nicht so gut. Klar, man kann für viel Geld in Luxusrestaurants sehr exquisit essen, aber für den normalen Reisenden ist Kanada jetzt keine kulinarische Offenbarung. Am besten sind da schon die Burger, Burritos und asiatisches Essen. Buffetessen in Kanada ist eine Katastrophe! Ich hatte das „Vergnügen“ in Lake Louise beim Ride&Dine Paket ein Buffet zu genießen (Würgreiz) und das Buffet im Fairmont Banff Springs (immerhin ein Luxushotel) überzeugte mit der Qualität einer Unimensa (Maximal!!).

Fazit: Wer wunderschöne und unberührte Natur sucht der kommt in Kanada auf seine Kosten, denn an jeder Ecke lauert ein Postkartenmotiv. Die negativen Punkte sind eigentlich nichts Neues und in vielen Ländern der Welt der Fall. Ich muss auch gestehen, dass es mich normalerweise nicht wirklich stört, aber so krass habe ich das selten bis noch nie erlebt und es hat selbst mich richtig genervt. Mich persönlich hat das Wilde der Rocky Mountains berührt und ich komme sehr gerne wieder, dann gilt für mich allerdings campen und wandern, denn wandern das mögen Asiaten nicht so gerne ;)

 

Notiz: Sorry, dass ich hier Asiaten so negativ darstelle, ich mag Asiaten, aber hier ging es garnicht.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Anna (Mittwoch, 14 Oktober 2015 21:09)

    Die Farbe des Wassers sieht ja krass aus, wirklich tolle Fotos. Kanada steht definitiv auch noch auf meiner Liste.

    Herzlich
    Anna

  • #2

    Fjodor (Montag, 19 Oktober 2015 13:44)

    Hallo Anna,

    das Wasser sieht in echt noch etwas spektakulärer aus! Eine Reise dorthin lohnt sich definitiv!

    Gruß
    F