Herzklopfen in León

Ich habe einmal gelesen, dass viele Reisende sich in Granada verlieben, aber ihr Herz in León lassen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich die Stadt im Nordosten Nicaraguas noch gar nicht und konnte dieser Aussage wenig abgewinnen. Nach 4 Tagen León kann ich es nun sehr gut nachvollziehen und erzähle gerne warum. 

Von Granada ging es per Bus (dieses Mal sogar im kleinen klimatisierten Minivan statt rumpelndem Chickenbus) in die Hauptstadt Managua und von dort noch ca. 2 h Stunden nach León. Unser Zimmer im „Surfing Turtle León“ konnten wir bereits beziehen. Das Hostel können wir sehr empfehlen, denn es ist klein, ruhig, sauber, ein paar Blocks von der Backpacker-Partymeile entfernt und hatte vor allem mal wieder eine gut ausgestattete Küche. 

Erstmal wollten wir jedoch die Stadt erkunden, am bestem mit vollem Magen. Und so folgten wir dem Tipp unseres Hostels und gingen zum Nica Comedor (billiges Restaurant) „San Bernito“. Hier liegt das gesamte Essen bereits zubereitet in einer Glasvitrine/Buffet aus und man sagt, was man essen möchte. Erst waren wir ein wenig abgeschreckt, denn solche Läden kannten wir bereits aus Panama (das Essen dort war wenig schmackhaft). Aber wir probierten es trotzdem aus und unser Hunger wurde belohnt: es war ein köstliches Nica-Mahl aus gegrilltem Huhn, Käse, Krautsalat, Bananenchips und mehr. Dazu natürlich wie immer eine Limonade - köstlich. Gestärkt schlenderten wir durch die kleinen Gassen und über Plätze mit beeindruckenden Gebäuden zur Hauptkathedrale der Stadt. Man sieht sie schon von Weitem, denn die Vorder- und Rückseite sowie das Dach erstrahlen in frischem Weiß - die Seiten sind noch nicht fertig. Das beste ist jedoch, dass man auf diesem strahlend weißen Dach spazieren kann. Über einige enge Treppenstufen kommt man nach oben, muss seine Schuhe ausziehen, denn die schöne Farbe soll ja nicht beschmutzt werden und fühlt sich auf einmal gar nicht mehr wie in Nicaragua, sondern eher wie in Griechenland. Das Weiß steht im Kontrast zu dem wolkenlosen blauen Himmel und lässt mein Reiseherz höher schlagen. Wir wollen diesen magischen Ort gar nicht so recht verlassen… 

Nach dem Abstieg erkunden wir weiter die von bunten Häusern gesäumten Straßen. Bereits vom Dach der Kathedrale konnten wir die Kirche Dulce Nombre de Jesus el Calvario sehen, die mit ihrer roten und gelben Fassade raussticht. Die Stadt ist sehr überschaubar und so haben wir nach ein paar Stunden fast alles gesehen. Unser nächstes Ziel ist es nun, einen Friseur für Fjodor zu finden, denn nach 4 Wochen muss bei Mann mal nachgeschnitten werden. Wir finden einen kleinen Salon, der den Mann für umgerechnet 1,50 € wieder schick macht :-) Am Abend gehen wir wieder Richtung Kathedrale, denn wie für Nicaragua so typisch, haben einige Frauen auf der Rückseite des Bauwerks ihre Grills aufgebaut und bieten allerlei Köstlichkeiten zu günstigen Preisen an. So lassen wir den ersten Tag bei bunter Tischdecke, leckerem Essen und einem kühlen Getränk ausklingen. Das Herz lacht… noch… 

Denn am nächsten Tag beschließen wir uns dem Hype Leons anzuschließen: Vulcano Boarding. 

Wir düsen morgens um 09:00 Uhr mit einem riesigen, orangen Mercedes Truck 20km über Dirtroads zum Vulkan Cerro Negro. Der 728m hohe schwarze Koloss ist einer der aktivste Vulkane, denn in seinem über 100 Jahren Bestehen, ist er über 20 Mal ausgebrochen - das letzte Mal 1999. Da man die Eruptionen wohl sehr gut vorhersehen kann, ist Besteigen und vor allem Boarden dennoch kein Problem :-) Mit einem Schutzanzug, einer Schutzbrille und einem Board ausgestattet wandern wir zum Kraterrand hinauf. Für 5$ hätte ein lokaler Guide sogar das Board getragen, aber für Fjodi kam das nicht in Frage und ich wollte mich nicht mein Leben lang aufziehen lassen, also schleppten wir selbst. Nach der Hälfte und immer stärker werdendem Wind, hatte Fjodi Mitleid und trug ab da auch mein Board - du bist der Beste :-) Oben angekommen, spazierten wir noch ein wenig auf dem Kraterrand und genossen die Aussicht auf die unzähligen Vulkane der Region. Im Tal sieht man sogar noch die Lavaströme der letzten Eruption - echt krass. 

Und da war der Moment gekommen: ich blickte die 41 Grad Steigung hinunter und fragte mich, warum nochmal ich freiwillig da runter wollte… Fjodi meldete sich als Freiwilliger und startete als erster - ui, das sah echt schnell aus wie er da mit knapp 50 Sachen nach unten düste. Vor allem weil es sich hier nicht um weichen Puderschnee oder feinen Sand sondern um kleine Lavabröckchen, die wie Schmirgelpapier scheinen, handelt. Irgendwann war dann auch ich an der Reihe und ich muss sagen, es hat echt Spaß gemacht den Vulkan runter zu heizen. Bremsen ist nicht, denn die Gefahr sich zu überschlagen ist zu groß. Man kann lediglich sein Tempo durch die Sitzposition regulieren. Leider habe ich den Fehler gemacht vor lauter Adrenalin zu schreien… so hatte ich noch den ganzen Tag was von dem Vergnügen ;-) Ein Hinweis: wahrscheinlich wäre diese Art von Aktivität nirgendwo in Europa erlaubt, denn es ist nicht ganz ungefährlich. Auf dem Vulkan werden Höchstgeschwindigkeiten bis zu 90kmh gemessen, wenn man dann fällt… autsch. Auch in unserer Gruppe gab es einige Schürfwunden und sogar ein gebrochenes Schlüsselbein. Wir können es aber trotzdem nur empfehlen - Herzklopfen ist garantiert.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Strände vor Leon. Dafür liefen wir 2km in einen Vorort der Stadt und nahmen wieder einen unserer heiß geliebten Chicken Busse. Nach nur 30 Minuten kamen wir in Las Penitas an. Ein kleines verschlafenes Örtchen, mit wenigen Touristen, breitem Strand und guten Wellen. Fjodi lieh sich ein Brett und ich genoss die Sonne, beobachtete den Mann beim Wellenreiten und las. So lässt es sich leben ;-) 

In den kommenden Tag lebten wir einfach hinein: wir machen uns leckere Smoothies im Hostel, schlendern durch die Stadt und besuchen das Kunstmuseum „Ortiz-Guardián“. Es ist die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst in Mittelamerika, aber nicht nur die Kunst überrascht uns mit ihrer Vielseitigkeit sondern auch die Museumsgebäude sind liebevoll renovierte Kolonialbauten mit riesigen Innenhöfen durch die ein warmes Lüftchen weht. Die 2 $ Eintritt sind auf jeden Fall gut investiertes Geld. Anschließend bummelten wir noch ein wenig über die städtischen Märkte: hier gibt es von Fleisch, über Obst und Seife bis hinzu Unterhosen alles zu kaufen. Witzig ist, dass die mittelamerikanischen Schaufensterpuppen viel fülliger sind als unsere: Sie haben ordentlich Vorbau und einen Kim-Kardashian-Konkurrenz-Hintern :-) Abends gingen wir noch mit einer Deutschen, einer Schweizerin und ihrem nicargüensischem Taxifahrer zu einer Reagge-Pary in eine lokale Bar. Mit Nica-Libre und Bob Marley Klängen ließen wir den Abend ausklingen… naja fast, denn wir mussten noch bis 2:00 Uhr Nachts ausharren, da uns dann unser Bus nach El Salvador abholte - aber dazu später mehr.

Das war er,  unser letzter Tag, nicht nur in Leon sondern auch in Nicaragua. Nach 2 Wochen in diesem Land sind wir fast ein wenig traurig, dass es jetzt weiter geht, denn es hat uns überrascht und in seinen Bann gezogen und wir können jedem nur raten, hier her zu reisen. Es lässt sich super gut bereisen und lohnt sich auch für 2/3 Wochen Urlaub. 

 

Wir sind jetzt in El Salvador aber ein Stückchen unseres Reiseherzens lassen wir hier, in León, Nicaragua.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kollegin Wallesch (Donnerstag, 04 Februar 2016 12:52)

    Toll toll.... Werde ich auf der Reiseliste vormerken :D