Tiefer See beeindruckt zu tiefst!

Wir haben oft gelesen, dass der Lago de Atitlán einer der schönsten Seen der Welt ist. Aber wie das mit diesen Aussagen leider oft so ist, unterscheidet sich die eigene Meinung häufig von denen der Reisemagazine. Dieses Mal schütteln wir unseren Kopf nicht, denn der See im Westen Guatemalas ist nicht nur der tiefste See Zentralamerikas, nein er ist für uns auch einer der schönsten Orte unserer Reise. Vor allem Fjodor ist hin und weg, wollte den See gar nicht mehr verlassen und will auf jeden Fall wieder kommen. 

Aber warum? 

Vielleicht liegt es daran wie der See uns begrüßt hat. Das erste Mal haben wir den von Vulkanen umzingelten See aus den Bergen bei Sonnenaufgang erlebt (das Ziel unserer dreitägigen Wanderung). Langsam erwachte er zum Leben, das Wasser glitzerte und strahlte mit der Sonne um die Wette. Unten angekommen, sprangen wir rein und erfrischten uns. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber wir konnten uns einfach nicht aufraffen zu gehen. So sind es drei geworden :-) 

Neben seiner Schönheit ist der See unheimlich vielseitig. So kann man, wandern, Kajak fahren, viele dort ansässige Maya Familien beobachten, die unterschiedlichen Örtchen am See besuchen, oder einfach nur abhängen. Wir haben uns vor allem auf eine Kombination der letzen beiden Punkte konzentriert. 

Die ersten beiden Nächte sind wir in San Pedro geblieben. Wir waren positiv angetan, denn es heißt der Ort sei eher ein lauter Partyort. Wir haben es nicht so empfunden, sondern genossen, die günstigen Preise, die große Café- und Restaurantauswahl und den stetigen Blick auf den See. Außerdem hat das Örtchen einen der schönsten Parque Centrale, den wir bis jetzt gesehen haben, mit einer süßen kleinen Kirche im Zentrum. Der Blick ist auch hier fantastisch. Hat man den See einmal satt - was wir uns wirklich nicht vorstellen können - kann man sich gut in den kleinen Gassen rund um die Kirche verlieren. 

Eine kurze Tuk-Tuk-Fahrt von San Pedro entfernt, liegt das eher verschlafene San Juan. Hier gibt es recht wenig Unterkünfte, dafür umso mehr Textilgeschäfte. Das besondere: Die indigenen Maya-Frauen versuchen ihre Traditionen am Leben zu erhalten und den Touristen das Textil-Handwerk näher zu bringen. Fjodor und ich haben eine kostenlose Tour von einer sehr netten Dame erhalten. Hier hat sich unser Spanisch-Kurs wieder einmal ausgezahlt, denn mit Englisch kommt man oft nicht weit. Sie zeigte uns wie sie die Baumwolle im Garten pflückt und dann mit einer traditionellen Spindel den Faden gewinnt. Der bis dahin weiße Faden wir mit natürlichen Farbstoffen gefärbt. So bringen ausgekochte Karotten orange, Rote Beete ein kräftiges Pink oder Basilikum ein blau-grün. Wir durchliefen den gesamten Prozess über das Weben bis zum Endprodukt. Und hier hat sie wieder zugeschlagen, die fjodorsche Souvenir-Liebe. Wir haben den netten Damen eine Hängematte abgekauft. Von der Baumwolle bis zum Endprodukt saß die Frau einen Monat an der Hängematte. Wir freuen uns schon darauf einen passenden Spot für Sie zu finden. Auch wenn wir bzw. Fjodor sie bis dahin noch über vier Monate tragen muss :-) 

Nachdem wir alles über die Textiltraditionen der Mayas wussten, machten wir uns auf nach San Marcos. Hier wollte ich eigentlich unbedingt wohnen. Laut Lonely Planet einer der schönsten Orte am See. Wir wollten uns ein Bild von diesem Fleckchen machen und rauschten mit dem Boot in 20 Minuten ans andere Ufer. Hier empfingen uns Hippies, Spirituelle und viel Veganes Essen. Hui, so gechilled hatte ich es mir nicht vorgestellt. Ein Öko-Lädchen jagt das nächste und barfuß gehen und Achselhaare sind hier an der Tagesordnung (jedoch nicht, weil es hier so schön ist, sondern weil es einfach dazu gehört). Ihr hört vielleicht an meinem Unterton, so richtig verstanden haben wir San Marcos nicht. Zudem ist es teurer als San Pedro und hat nicht so viele Locations mit Seeblick. Wir waren froh am Abend wieder in unserem gemütlichen Zimmer mit der tollen Aussicht zu sein :-) 

 

Obwohl uns San Pedro so gut gefallen hat, hatten wir das Gefühl weiter zu müssen und den See noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Hatte ich erwähnt, dass der See nicht nur tief sondern mit 130km2 auch ziemlich groß ist? Also hüpften wir wieder in ein Boot und ließen uns nach Panajachel, kurz Pana bringen. Was für ein Kulturschock! Die meisten Touris kommen nicht wie wir per Pedes über die Berge zum Lago, sondern landen zunächst in Pana. Aus diesem Grund hat sich hier eine verrückte Touri-Meile gebildet. Markstände und Restaurants soweit man schauen kann… alles ist verbaut, jeder boult um die Gunst der ankommenden Touris. Traurig! Zum Glück finden wir eine tolle Unterkunft mit einer Dach-Terrasse. Von hier aus können wir ungestört die andere Perspektive auf den See genießen. 

Der Blick ist auch hier klasse und wir können uns wieder mal nicht satt sehen an dem türkis blauen Wasser und den grünen Vulkanen…. Wir verlassen den See nur ungern… doch er hat Spuren hinterlassen, tiefe Spuren und hat sich damit ganz heimlich in unsere Reisehighlights geschlichen!

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Kommentare: 1
  • #1

    janika (Dienstag, 01 März 2016 07:45)

    Traumhaft ❤ wirklich ein schönes Plätzchen Erde.