Auf dem Gringo-Trail durch Mittelamerika

Drei Monate sind rum… in diesen 13 WochenI sind wir durch komplett Mittelamerika gereist, haben alle acht Länder besucht, unterschiedliche Kulturen kennengelernt, unsere Spanisch-Kenntnisse erweitert und jede Menge interessanter Bekanntschaften gemacht. Dieser Teil der Welt ist häufig als sehr gefährlich verschrieen und steht unter Backpackern etwas im Schatten des großen Bruders im Süden. Genau richtig also, diese Region in unsere Weltreise zu integrieren.

Der Gringo-Trail ist kein Wanderweg oder eine festgelegte Strecke, es beschreibt einen Reisepfad mit allen für Touristen interessanten Orten. Da die Mittelamerikaner die Amerikaner Gringos nennen und wir uns ähnlich sehen, ist das der Inbegriff für den Trampelpfad der Weißen durch Mittelamerika. Dieser erstreckt sich grob von Panama-Stadt bis nach Mexiko-Stadt. Diese Route ist sicherlich in zwei Monaten machbar, wir würden allerdings etwa drei bis vier Monate empfehlen. Auf dem Weg gibt es einfach sehr viel zu sehen und zu entdecken. Von den einzelnen Orten auf unserem persönlichen Gringo-Trail haben wir ja bereits berichtet. Wenn man diese allerdings alle auf einer Karte betrachtet, dann ergibt das eine spannende Route:

 

Für uns war die Entscheidung nach Mittelamerika zu fahren genau richtig. Es gibt hier noch diese Orte, die kaum von Touristen entdeckt wurden. Mittelamerika fühlte sich für uns an wie eine große spanische Kolonie mit ihrem eigenen Charme, eigenen Gerüchen, eigener Küche und eigener, wunderschöner Landschaft. Belize, das kleine Land, eingekesselt in diesem kolonialem Traum ist wie eine Insel, eine Oase. Der Kontrast ist so groß, man kann kaum glauben, dass es tatsächlich Landgrenzen gibt. 

 

 

Den einstigen spanischen Einfluss kann man in diversen Städten der einzelnen Länder spüren, ganz besonders auch bei unserem vorletzten Stop in Mexiko, dem Städtchen Oaxaca. Sie ist einfach ein Traum. Man könnte eine Woche durch die kleinen Straßen laufen und sich trotzdem nicht sattsehen. Die Architektur ist mehrere Jahrhunderte alt, die Fassaden häufig bunt, überall gibt es kleine Innenhöfe und Dachterrassen. Besonders Abends leuchten die vielen kleinen Lichterketten, überall ist es belebt und die Einheimischen genießen das Leben. Wie ein Mexikaner in einem Café direkt an der Kathedrale zu uns sagte: „Wir Mexikaner sind eigentlich gar nicht so arm, wir geben unser Geld halt sofort für das Leben aus und erst dann haben wir nichts mehr.“ Genau das macht die Stadt und die dortigen Menschen so sympathisch. Spät Abends in der Mezcal-Bar (eine Spirituose die ähnlich zu Tequila aus der Agave gewonnen wird) drängen sich alle aneinander, trinken den unfassbar sanften Mezcal und singen gemeinsam Lieder. Zum Abschluss eines erfolgreichen Tages geht es noch in eine Salsa-Bar. Wir hatten das Glück mit einem Mexikaner dort gelandet zu sein und so konnten auch wir unsere Hüften etwas zu Salsa, Merengue und Bachata-Beats schwingen. Das übrigens während der Woche in einer nur mit Mexikanern gefüllten Bar.

Tagsüber kann man sich in den Museen verlaufen oder einfach das bunte Treiben am Zocalo, dem Hauptplatz beobachten. Ein sehr empfehlenswertes Museum ist das für die Geschichte Oaxacas. Es erzählt in 14 Räumen die Entwicklung der Region von den Zapotecen, über die spanischen Konquistadoren und der Unabhängigkeit bis in die Neuzeit. Die Räume befinden sich dabei in einem alten Kloster, das direkt an die Kathedrale anschließt und alleine das wäre eine Attraktion für sich.

Mittelamerika hat uns in seinen Bann gezogen. Egal wo wir waren, haben wir uns sehr wohl gefühlt und es nie bereut hierher gefahren zu sein. Jana und ich haben unzählige Male Dinge gesagt wie: „Ach, eigentlich könnten wir hier noch eine oder zwei Nächte länger bleiben“, „das war eines der besten Hostels in dem wir je waren“, „so schön habe ich mir das gar nicht vorgestellt“ oder „einfach schön, dass wir hier sind“. Auch unser letzter Stop, die Megapolis Mexiko-Stadt hat uns dabei nicht enttäuscht. Mit über 20 Millionen Einwohner zählt sie zu den größten Städten der Welt und liegt auf einer Höhe von etwa 2500m, umgeben von großen Bergen und Vulkanen. Der Bekannteste davon, der Popocatapetl (5436m hoch), hat bei unserer Anwesenheit angefangen mehrere Kilometer hohe Aschewolken auszuspucken. Die Stadt selber ist einfach riesig und hat dadurch natürlich auch nicht so schöne Ecken, nachdem uns allerdings zwei Hamburger in El Salvador davon vorgeschwärmt haben, mussten wir einfach ein paar Tage dort verbringen. Auch hier findet man überall koloniale Architektur sowie aus der Zeit der Revolution. Vier Dinge sind uns jedoch besonders in Erinnerung geblieben, die einfach plakativ für die Mexikanische Kultur sind und der Grund, warum ich diese Zeilen mit einem riesigen Lächeln auf den Lippen verfasse…

  1. Quinceañera: Wenn Mädchen 15 Jahre alt werden, veranstaltet die gesamte Familie ein riesiges Fest. Vom Ausmaß ist das am Ehesten mit unseren Hochzeiten vergleichbar. Die Familien sparen jahrelang, das Geburtstagskind bekommt ein riesiges Kleid, eine mehrstöckige Torte und das wird dann in der Regel mit mehreren hundert Personen einige Tage gefeiert. In Mexiko-Stadt dreht es sich rum um die Avenida de Chile alles um dieses Fest. Es gibt Kleider, Torten, Diademe, alles! (schaut euch unbedingt die Verlinkung an) 
  2. Frieda Kahlo: Die Künstlerin, die für ihre Selbstportraits berühmt geworden ist, ist omnipräsent. Ihr Kopf, mit der aufwändig gesteckten Figur und der charakteristischen Mono-Braue ziert so gut wie alles in der Stadt.
  3. Lucha Libre: Eine Art mexikanisches Wrestling. Es wirkt etwas amateurhafter und ist ein extremst unterhaltsames Ereignis für Groß und Klein! Überall in der Stadt tragen Kinder und zum Teil Erwachsene die Kampfmasken ihrer Idole.
  4. Sugarskulls: Spätestens seit James Bond wissen wir, dass die Mexikaner anders mit dem Tod umgehen als wir. Skelette und bunt bemalte Totenköpfe sind überall zu finden und sehr dekorativ.

Der Gringo-Trail hat uns durch viele Länder geführt und wir haben diverse Stunden im Bus verbracht. Diese Länder zu bereisen und die unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen hat uns sehr gut gefallen und es war eine perfekte erste Hälfte unserer Reise um die Welt. 

 

Tipps Gringo-Trail:

  • 3-4 Monate für den Weg von Panama nach Mexiko einplanen. Sollte man weniger Zeit haben, dann entweder auf nur ein Land konzentrieren oder Fliegen. Letzteres ist zwar recht teuer, aber die Busse dauern einfach zu lange.
  • Die Richtung der Route nach der Jahreszeit auswählen. Wenn man im Dezember/Januar beginnt, dann würden wir dazu raten von Süd nach Nord zu fahren, da man dabei überall in der Trockenzeit ist und Mexiko im Januar/Februar sonst auch kalt sein kann.
  • ALLE Länder bereisen. Lasst euch nicht von irgendwelchen Horrorstorries abschrecken! Jedes Land ist sehenswert und besonders die weniger touristischen haben ihren ganz besonderen Charme.
  • Wir wurden häufiger gefragt, was unsere Lieblingsländer waren. Das kann man nur schwer beantworten, da wir mit jedem Land sehr schöne, wenn auch komplett unterschiedliche Erinnerungen verbinden. Am meisten stechen jedoch El Salvador, dicht gefolgt von Nicaragua und Guatemala raus.
  • Essen: Vertraut man seinem Reiseführer, dann kann man sich wohl nur von Tütensuppen ernähren… kein frisches Obst/Gemüse von der Straße, kein Streetfood, keine Eierspeisen und auch bei Milchprodukten sollte man vorsichtig sein… hmm, und wo bleibt da der Spaß? Löst euch von den fiesen Durchfall-Geschichten und setzt auf Straßenessen. Es ist günstig, verdammt lecker und eine der besten Möglichkeiten die Kultur kennenzulernen. Das bisschen Magen/Darm ist es definitiv wert :-)
  • Transport: Der beste und authentischste Weg die Länder zu bereisen sind die Chicken-Busse (heißen so, weil die Leute ihre Hühner mit in den Bus nehmen). In Mexiko gibt es sie leider nicht und das Land besitzt ein sehr gutes Transportsystem. Überall anders raten wir dringend dazu in diese lustig bunte alte amerikanische Schulbusse zu steigen. Sie sind sehr sehr günstig und viel angenehmer als die überall angebotenen Shuttles. Letztere sind nämlich auf Touris ausgelegt, verkehren deutlich seltener, sind viel teurer und die kleinen Minivans werden bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Zeitersparnis hält sich dabei in Grenzen. Die einzigen Strecken wo wir von dieser Regel abraten sind (beides in Guatemala): Guatemala-Stadt Antigua (aus Sicherheitsgründen, sehr häufig Überfälle) und die Verbindungen nach und von Semuc Chapey (weil hier die Anreise mit den Chicken-Bussen mehrere Tage dauern würde). Alle anderen Strecken: Chicken-Bus, ja auch in El Salvador und Honduras, selbst wenn es über San Salvador oder San Pedro Sula geht.
  • Sicherheit: Wir wurden insgesamt zwei mal beklaut. Einmal ein Handy aus der Hosentasche in einem vollen Club in Cancun (Mexiko) und einmal weil wir eine Sonnenbrille unbeaufsichtigt auf einem Tisch im Straßencafe (Mexiko-Stadt) liegen lassen haben. In Mexiko wurden wir allerdings auch unvorsichtiger. Wenn man einige Grundregeln beachtet, z.B. nicht Nachts alleine auf einer leeren Straße rumlaufen, dann ist Mittelamerika sehr sicher.

 

Tipps Oaxaca:

  • Hostel Casa Angel ist ein sehr schönes Hostel. Die Leute sind nett und das Frühstück wirklich lecker! 
  • Mescal trinken: Wir haben die Bar „Amantes“ gleich zwei mal getestet und für exzellent befunden. Sie ist kaum größer als ein Hausflur, aber die Stimmung ist klasse. 
  • Schokolade: Ich (Jana) als kleines Leckermäulchen, habe mich besonders über die feine Schokolade in Oaxaca gefreut. Wir haben sie in zahlreichen Formen konsumiert: mit Pfannkuchen, als Frappé, heiß… hmmm 
  • Salsa Tanzen: In dieser kleinen Bar geht es heiß her. Es gibt Live Musik und man kann unter den vielen Einheimischen seine Hüften schwingen. 
  • Das Restaurant El Escapulario: haben wir durch Zufall entdeckt und er ist wirklich lecker. Die Besitzerin/Kellnerin/Köchin ist zwar nicht wirklich höflich, dafür scheint sie ihre Leidenschaft ins kochen zu legen. Das Essen ist verdammt gut. Wir können die Enchiladas Oaxaceño und die Chiles Relleño nur empfehlen. 

 

Tipps Mexico-Stadt:

  • Wer ins Frida Kahlo Museum möchte, sollte die Tickets bereits im Internet kaufen. So kann man viel mehr Zeit im Museum als in der Warteschlange davor verbringen. 
  • Lucha Libre in der Arena Mexiko anschauen: Einfach Abends zur Arena fahren und direkt an der Abendkasse kaufen. Wie haben für umgerechnet 4,50€ pro Karte Plätze direkt in Ringnähe erhalten. 
  • Kaffee mit Aussicht: Im Kaufhaus SEARS gegenüber des Pallacio de Bellas Artes gibt es im 8. Stock ein Café mit direktem Blick auf das imposante Gebäude. Toll, um Fotos zu machen und einen leckeren Kaffee zu schlürfen. 
  • 11:00 Uhr am ersten Tag freihalten und an der Free Walking Tour teilnehmen. So hat man zumindest den Stadtteil Centro Historico schon mal gesehen :-) Treffpunkt ist vor der Kathedrale am Zocalo. 

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