Transsib Teil 1: Peking

Die Transsibirische Eisenbahn ist schon immer ein Traum von uns gewesen. Langsam durch die Weiten Russlands zu rollen und so spannende Orte wie Sibirien oder die Mongolei entdecken. Dieses Abenteuer musste einfach in unsere Weltreiseroute! Anders als die meisten Reisenden entschieden wir uns in Peking zu starten und den Abschluss unserer Reise am Roten Platz in Moskau zu feiern. Auf dieser letzten Etappe begleiten uns zwei Freunde, die wir an einem schönen versmoggten Tag in Peking begrüßt haben ...

Peking ist wie alles in China einfach nur crazy. Wir sind im Schnellzug aus Shanghai gekommen (1350 km in unter 5h) und wurden beim Ausstieg mit einem Schwall „bester“ Peking-Abgas-Luft begrüßt. Der erste Aufreger folgte prompt am Bahnhof: unser gebuchtes Hostel (365 Inn Hostel) ist nicht dort wo wir es vermutet hatten, sondern in einem komplett anderen Stadtviertel. Janas Laune ging direkt in den Keller, denn das Viertel Quianmen (wo wir uns anscheinend einquartiert haben) ist ein für die olympischen Spiele 2008 erbautes Viertel im alten Stil mitten in der Stadt und vermeintlich ohne viel Charme. Wie immer muss man sich allerdings selber ein Bild von der Situation machen und nicht zu früh urteilen. Da wir nur drei Tage in Peking eingeplant haben, hat sich die Lage als ideal erwiesen und das Hostel ist ein richtiges Fundstück mit kleiner Bar und allem was das Backpackerherz begehrt!

Kaum angekommen haben wir uns direkt auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt gestürzt: Wasserturm, Kloster, Plätze und nicht zuletzt die verbotene Stadt. Alles ist unglaublich alt und mit unfassbar viel Geschichte und Kultur. Wir wollen hier gar nicht auf die einzelnen Sachen eingehen, da jeder Reiseführer da mehr zu sagen kann, sondern lieber unsere generellen Erfahrungen beschreiben. Peking ist eine Riesenmetropole und voll mit Touristen. Die Mehrzahl sind jedoch chinesische Touristen und so sticht man doch ganz gut raus :-) Überall gibt es Sicherheitskontrollen und die Menschenströme werden geschickt durch die Attraktionen geleitet. Besonders spannend ist die verbotene Stadt, da man vom Süden reinkommt und einmal durch die historische Anlage bis nach oben geschleust wird (Dauer ca. 2h). 

 

Besonders haben uns an Peking die kleinen alten Gässchen (Hutongs) gefallen. Viele kleinere Restaurants, Bars und Shops reihen sich aneinander und das Leben scheint hier aus alten Zeiten konserviert zu sein. Hier sind wir auch zum ersten Mal auf Nai Lao gestoßen - ein sehr leckerer Trinkjoghurt der überall verkauft wird. Zu den weiteren Köstlichkeiten des Landes zählt natürlich die Peking-Ente. Es gibt unzählige Restaurants in der Stadt und so haben wir einfach mal auf TripAdvisor vertraut und uns für das Quianmen Quanjude Roast Duck Restaurant entschieden. Der Laden ist zwar recht touristisch, das allerdings völlig zu Recht! Historisch und kulinarisch konnte uns Peking damit komplett überzeugen ;-)

Peking bietet unzählige Attraktionen und wir haben nicht einmal die wichtigsten zehn geschafft, obwohl unsere Freunde ganz in anfänglicher Reisefieber-Manier Druck gemacht haben alles sehen zu wollen. DAS Highlight Chinas durfte auf unserer Reiseroute allerdings nicht fehlen: die chinesische Mauer. Über mehrere Jahrhunderte zur Verteidigung in sehr unwegsamen Gelände erbaut, erstreckt sie sich über insgesamt über 2.000 km. Ein wahnsinniges Bauwerk. Es gibt unzählige Punkte an denen man einen Fuß auf die Mauer stellen und die Atmosphäre vergangener Tage aufsaugen kann: restaurierte Stücke, gut erhaltene, verlassene, touristische, bewaldete etc. Da wir zeitlich limitiert waren und auf keine Tour im Reisebus gehen wollten, entschieden wir uns für einen Mauerabschnitt im Dorf Badaling. Es ist das am besten erhaltene Stück der Mauer und nur 75km von Peking entfernt. Zudem führt ein Zug direkt nach Badaling was den Transport ungemein erleichtert. Soweit zumindestens die Theorie ;-) Am Bahnhof angekommen sind die Kassen für diese Strecke geschlossen und ein kleines Schild teilt uns mit, dass die nächsten verfügbaren Tickets erst für Nachmittags um drei vorhanden sind. Da wir sehr entspannt in den Tag gestartet sind und natürlich trotzdem zur Mauer wollten, haben wir uns ganz dekadent und Anti-Backpacker in ein Taxi gesetzt. Zu viert ist das preislich immer noch günstiger als eine Tour zu buchen. 

 

Zurück zur Mauer… im Lonely Planet und dem Internet haben wir viel Negatives über diesen Abschnitt gelesen: „viel zu touristisch“, „auf keinen Fall am Wochenende“, „man wird die Mauer nicht sehen, so voll ist das“. Ja, es ist unglaublich voll, allerdings kommen alle Touristen morgens dahin und so wird es schnell wieder leer. Ein weiterer Vorteil der Mauer ist die gefühlt unendliche Länge. Man kann auf der Mauer einfach von den Touristenströmen weggehen und ein Stück Mauer, die sich über die Berge schlängelt nur für sich alleine haben. Das Bauwerk ist wirklich beeindruckend und liegt in wunderschön bewaldeten Bergen mit unglaublich frischer Luft und strahlend blauem Himmel.

Transsib

Für uns war Peking der Startschuss für ein Abenteuer von Asien bis nach Europa. Mit dem Zug soll es über die Mongolei und Russland in vier Wochen bis zum Roten Platz in Moskau gehen. Wir haben uns gegen Reiseveranstalter oder irgendwelche Agenturen entschieden, denn das entspricht aus unserer Sicht einfach nicht dem Individualtourismus. Nachdem wir in älteren Artikeln bereits über Visa-Modalitäten berichtet haben, brauchten wir Tickets. Wir wussten im Voraus, dass die Zugtickets 45 Tage vor dem gewünschten Reisetag verkauft werden, aber da wir das verpasst haben und erst in Peking mit unseren Freunden zusammenkamen, haben wir recht kurzfristig angefangen uns darüber Gedanken zu machen. 

 

Bei der Planung unserer Route haben wir uns für zwei Hauptstops entschieden: die Gobi-Wüste in der Mongolei und der Baikalsee in Russland (beschreiben wir in späteren Artikeln). Aus Peking sollte es für uns bis nach Erlian an der Chinesisch-Mongolischen Grenze gehen. Der Direktzug fährt nur alle paar Tage und so haben wir uns Tickets für einen Zug nach Hohhot (eine Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern - wer kennt sie nicht?) gebucht und anschließend einen Übernachtzug nach Erlian. Vor allem im ersten sind wir die reinsten Exoten gewesen. Jeder hat uns angeguckt und jede unserer Bewegungen genauestens verfolgt - wir saßen im Massenwagen :-) Am besten war die chinesische Verkaufsveranstaltung in dem Zug. Es kam immer ein, nennen wir ihn mal Marktschreier und pries seine Waren (meist Essen) auf chinesisch an. Danach gab es für jeden Fahrgast eine kleine Probe und bei Bedarf konnte man es dann kaufen. Die Fahrt war dadurch extremst amüsant und wir ziemlich satt.

Da wir von allen gefragt wurden, wann wir denn in DIE Transsib steigen würden, hier mal eine Bemerkung am Rande: es gibt nicht die Transsib. Die Transsib ist ein Netzwerk an Schienen und damit ein Sammelbegriff für die Strecke Moskau bis nach Vladivostok und Peking. Selbst die kleinen Züge, wie bspw. Peking-Hohhot sind damit auf der Strecke und können dazu gezählt werden. Natürlich gibt es auch direkte Züge die die gesamte Strecke am Stück durchfahren. Solche Züge fahren allerdings nur sehr selten und machen nur Sinn, wenn man nicht plant auszusteigen bzw. nur für längere Streckenabschnitte, wie Tomsk-Moskau wo ich gerade diesen Artikel tippe :-)

Tipps Peking: 

  • Hutongs: durch die kleine, verwinkelten Gassen laufen und sich wie im alten China fühlen.
  • Verbotene Stadt: ein beeindruckender Komplex voller Geschichte. Sie ist wesentlich größer als wir erwartet haben!
  • Taxi: In Peking kann man ziemlich günstig mit dem Taxi fahren und bei mehreren Personen ist es in der Regel nicht teurer als die Metro.
  • Peking Ente: das Gericht der Stadt muss man einfach probieren. 
  • Chinesische Mauer: egal welchen Abschnitt man sich aussucht, mit ausreichend Zeit (und körperlicher Fitness) kann man ganz einfach den Touristenströmen entfliehen.
  • MiniSo: ein Japanischer Shop der sehr günstig ist und dabei jede Menge nützlicher Sachen für die anstehende Zugreise, wie Powerbanks, Babywipes und sonstigen Kram anbietet.
  • Verschmutzungsindex: es gibt eine App, die den aktuellen Wert der Luftverschmutzung in allen größeren chinesischen Städten anzeigt. Ganz praktisch zu wissen, wann man sich lieber einen Mundschutz anziehen sollte.

Tipps Transsib:

  • Tickets: für chinesische Züge kann man alle Tickets an den kleinen Ticketschaltern in jeder Stadt kaufen. Die Schalter erheben eine Gebühr von 5 RMB pro Ticket (unter einem Euro), dafür muss man dann aber auch nicht an den meist etwas außerhalb gelegenen Bahnhof. Die Damen sprechen kein Wort Englisch, also sollte man gut vorbereitet hingehen mit Pässen und Zugnummern plus Daten auf einem Zettel. Eine offline Übersetzungs-App hat hier aus gute Dienste geleistet.
  • Tickets 2: man kann alle Tickets selber buchen und braucht keine Reisebüros o.ä. Um die gewünschten Zugverbindungen und Klassen zu bekommen, würden wir nur dringend dazu raten das rechtzeitig, also genau 45 Tage vorher, zu machen.
  • Pünktlichkeit: alle Züge sind extrem pünktlich und boarden meist 20 Minuten vorher.
  • Kontrollen: an den Bahnhöfen sind immer Sicherheitskontrollen die alles verlangsamen können. Zudem sollte man aufpassen was man reinpackt. Unsere Freunde hatten Probleme mit einem Messer im Gepäck.
  • Webseite: unsere Lieblingsseite mit allen Informationen zur Transsibirischen Eisenbahn (und weiteren Zügen) ist www.seat61.com

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Kommentare: 1
  • #1

    maxi (Montag, 25 Juli 2016 22:09)

    oh mann, in euren china-bildern sehe ich meine china-reisen. sowohl shanghai als auch peking wecken so schöne, einizigartige erinnerungen, dass ich direkt in den alten fotoalben kramen muss #hach

    liebe grüße nach hamburg
    maxi