Transsib Teil 2: Die Mongolei

Wenn man uns heute, knapp 8 Monate nach unserer Rückkehr fragt, was denn unsere Lieblings-Stops waren, fällt uns die Antwort noch immer schwer, denn irgendwie war ja alles toll. Aber, wenn wir uns dann doch festlegen, nennen wir beide unabhängig voneinander unter anderem einen Stop, die Mongolei.

Herrje, 9 Monate ist es bereits her, dass wir das nicht mal 3 Millionen kleine Volk besucht haben. Leider konnten wir uns in den letzten Tagen unserer Reise und auch in den 9 Monaten zuhause nicht aufraffen den Blog zu pflegen. Langsam nervt uns die unvollständige Seite jedoch so sehr, dass wir uns ganz fest vorgenommen haben, sie ab sofort wieder mit mehr Liebe zu behandeln. Schließlich haben wir noch einige Geschichten und tolle Bilder in petto.

 

Also, blendet alle Geräusche in eurer Umwelt aus, stellt euch vor es ist warm, die Luft ist klar und ihr reist mit uns in die Mongolei….. 

 

Und los geht’s:

 

„Schau mal, wie weit man gucken kann!“. Acht Tage lang sind wir jeden Morgen staunend und mit eingezogenem Kopf aus unserer Jurte gestiegen (wichtig, weil sonst stößt man sich wie wir unzählige Male den kopf) und auch jetzt sind wir immer noch fasziniert von der Natur der Mongolei. 

 

Als feststand, dass wir von Peking mit der Eisenbahn nach Moskau fahren, war klar, wir werden durch die Mongolei reisen. Anfänglich haben wir gedacht, wir würden das Land nur passieren, stellten nach vielen Recherchen aber fest, dass wir dem Land damit so gar nicht gerecht werden und entschieden uns für eine Tour durch die Gobi Wüste mit Sunpath Mongolia… Reist mit uns noch einmal durch die nördlichste Wüste der Welt - es lohnt sich!

Das Abenteuer Mongolei beginnt bereits in China…. 

 

Nachdem wir die Nacht im chinesischen Zug verbracht haben, erreichten wir morgens um 6 Uhr im Regen die ziemlich hässliche Grenzstadt Erlian. Hier gibt es rein gar nichts zu sehen. Aber dafür waren wir ja auch nicht da, denn wir suchten lediglich nach einem Transport über die chinesische und hin zur mongolischen Grenze. Gar nicht so einfach um diese Uhrzeit und als einzige noch dazu nicht chinesisch sprechende Touristen. Aber irgendwann kam unser Retter, ein russisch sprechender China-Mongole. In seinem Auto, dass er liebevoll mit Tigerfell dekoriert hatte (wohl um die mangelnde Fahrtüchtigkeit zu verschleiern), brachte er erst seine Mutter zum Arzt, seinen Vater, der im Kofferraum hockte zur Arbeit, dann seinen Sohn in die Schule und zuletzt uns zur Grenze (hatte ich erwähnt, dass es sich um einen normalen 5-Sitzer handelte?).

 

Die Grenzen, von einem riesen Regenbogen versehen, passierten wir ohne Probleme und waren froh in der Mongolei in das freundliche Gesicht von Oyuna, unserer „Reiseleiterin“ zu blicken. Noch besser drauf war unser Fahrer Torch. Ja, genau, Taschenlampe :-) . Der erste Zwischenfall ließ nicht lange auf sich warten: Mongolische Töggrök am ATM abholen - die Kreditkarte geschluckt, Geld nicht bekommen. In jedem anderen Land der Welt wäre das ein riesen Aufriss die Karte wieder zu bekommen. Nicht so in der Mongolei, denn die Grenzbeamtin hat natürlich einen Schlüssel für den Automaten. Also alles kein Problem … fünf Minuten später machten wir es uns in unserem russischen Van gemütlich. Er sollte so was wie unser Zuhause für die kommenden 8 Tage werden. Während wir die Nächte in den Gästejurten von Nomadenfamilien verbrachten, saßen wir am Tag recht viel im Auto. 

Gut, dass es so bequem war und wir nur zu viert - gemeinsam mit unseren holländischen Freunden, die wir vor 8 Jahren in Australien kennen gelernt haben :-) Erster Stop unserer Tour war erstmal eine Cafeteria zum Frühstücken. Ui, hier sah es gar nicht schlecht aus, dafür, dass wir in der Mongolei waren. Wir lernten schnell, dass so nur die Läden in den Provinz-Zentren aussehen und von diesen sahen wir in den kommen 8 Tagen keine mehr :-) Nach ein paar Stunden im Van erreichten wir unser Camp für die Nacht, das einzige Ger Camp unserer Reise. Ger Camp heißt: viele Gers (=Jurte), also die mongolischen Zelte, an einem Ort, nicht angebunden an eine Nomadenfamilie. Man kann sowas auch ein mongolisches Hostel nennen ;-) . Hier holten wir einen mongolischen Mönch ab und schauten uns gemeinsam mit ihm einige Kloster und Stupas in der Umgebung an. Spannend, was er uns alles zum Buddhismus erzählen konnte.

Der zweite Tag beginnt früh, denn wir müssen weit fahren und zwar mitten ins Nirgendwo zu der ersten Nomadenfamilie, bei der wir bleiben. Die Dame des Hauses kocht, während wir mit dem Herren Milchtee (Ziegenmilch mit Salz und heißem Wasser) trinken. Als gastfreundliche Geste dürfen wir alle auch einmal an seinem Schnupftabak schnüffeln. Zum Glück hatte Oyuna uns auf dem Weg bereits in die Bräuche und Sitten eingeführt und wir wussten, was uns erwartet und wie wir uns mongolisch-korrekt verhalten. Obwohl wir an diesem Tag fast nur im Auto saßen und die wahnsinnige Natur an den Scheiben vorbei rauschte, fallen wir abends müde ins Bett. Aber Achtung: die Landung ist hart. Obwohl wir anders als die Nomaden selbst in richtigen Bett schlafen, sind diese extrem hart. Soll heißen: Brett, Teppich, fertig! OK, Schlafsack, fertig!

Am dritten Tag steht endlich mal wieder Bewegung auf dem Programm. Es geht nach Yoliin Am, eine tiefe enge Felsschlucht im Süden der Mongolei. Durch sattes Grün wandern wir über Stock und Stein in die Schlucht, wo uns die Reste des harten mongolischen Winters erwarteten: pures Eis. Wahnsinn, wie die Menschen hier im Winter leben müssen. 

 

Unangefochtenes Highlight dieses Tages ist jedoch das Nomaden-Museum. Oyuna hat es bereits den ganzen Tag angepriesen, setzte uns beim Museum ab und sagte, sie erwartet uns in ca. 1-2 h bei unserer Familie. Nun ja, was sollen wir sagen?! Das Museum war wirklich ein Grusel-Kabinett. Binnen 15 Minuten hatten wir alles angeschaut. Aber es hatte auch etwas Gutes, wir haben herzlich gelacht und haben sogar noch heute Tränen in den Augen, wenn wir an die fürchterlich ausgestopften Tierchen denken :-) 

Auch an Tag 4 weckt Oyuna uns mit Frühstück - Tee, Toast und Marmelade. Nicht Nomaden-like, aber Ziegenfleisch und Milchtee reichen wirklich einmal am Tag. Wir befinden uns mitten in der Wüste Gobi und heute fahren wir nach Khongoriin Els, riesige Sanddünen mit bis zu 300m Höhe. Wieder erwartet uns eine extrem gastfreundliche Familie. Nach dem obligatorischen Milchtee und Schnupftabak ziehen wir los Richtung Sanddüne. Seid ihr schon mal 300m in feinstem Pudersand geklettert? Frustrierend! Ein Schritt vor, zwei zurück… Die Aussicht von oben ist der Hammer und die Strapazen schnell vergessen. Kaum zurück schrauben unserer Fahrer und der Hausherr ein wenig an unserem Bus rum und wir haben die Ehre die familieneigenen Kamele auszuführen. Ich (Jana) bin super aufgeregt, denn jegliche Art von Großtier mit Sattel jagt mir irgendwie Angst ein :-) Die Tierchen sind zum Glück mega entspannt und so ist unser Ausritt mitten im Nirgendwo doch ganz schön. Den Abend lassen wir mit Wodka und Sonnenuntergang ausklingen. 

Wie machen die Nomaden das? Keine Straßen, keine Schilder und doch kommen sie am Ziel an… Gut, dass Oyuna und Torch selbst Nomaden sind und sich in der Wüste auskennen. Tag 5 bringt uns nach Bayanzag oder Flaming Cliffs genannt. Vor allem bei Sonnenuntergang leuchten die Felsformationen wie Feuer. Die Fossil-Freunde unter euch kennen diesen Ort vielleicht, denn in den 20er Jahren fand man hier Dinosaurier Eier - ein echter „Touri-Magnet“ (als ob es sowas in der tiefsten mongolischen Wüste gibt?!). Denn, wie so oft, sind wir die einzigen Touristen bzw. Menschen weit und breit :-) 

Am 6. Tag geht es in das buddhistische Kloster Ongiin Khiid. Nachdem das Kloster in der Sowjet-Zeit komplett zerstört wurde, arbeiten die 13 dort lebenden Mönche langsam am Wiederaufbau. Leider ist bislang nur eine Stupa fertiggestellt, der Rest liegt in Ruinen. Gut, dass das Highlight dieses Tages noch vor uns liegt: Mongolisches BBQ. Nein, es ist nicht so wie manch einer es vielleicht vom Restaurant nebenan kennt (viele Zutaten mit leckerer Soße im Wok) sondern Mongolisches BBQ heißt, heiße Steine, die sich zuvor im Kameldung-Feuer aufwärmen durften, gesellen sich zu frischem Ziegenfleisch und Gemüse. Das Ergebnis ist - wenn man vom Ziegenkopf absieht - gar nicht mal so schlecht, auch wenn Ziege definitiv nie mein Lieblingsfleisch sein wird.

Am vorletzten Tag verschlechtert sich leider das Wetter - statt Sonne wie an den letzten 6 Tagen, kommt Regen. Die Nomaden begrüßen uns noch liebevoller als sonst, denn Gäste, die Regen bringen, bringen Segen. Auch wenn wir als Hamburger es gar nicht nachvollziehen können - Regen ist für die Nomaden essentiell und leider viel zu selten. 

 

Ich sagte ja bereits, dass gesattelte Tiere jeder Art nicht so mein Ding sind. Umso mulmiger wurde mir bei dem Gedanken an unseren bevorstehenden Ausritt auf mongolischen Pferden. Es begann ganz lustig, denn mit dem Regen wurde es auch kälter und die Familie ließ es sich nicht nehmen uns in ihre besten und wärmsten Kleider zu stecken, damit wir auf dem Ausritt ja nicht frieren. Die Pferde leben hier im Freien und so musste der Hausherr sie mit seinem Motorrad erstmal suchen. Derweil lernten wir wie wir das Pferd reiten müssen und dass ein mongolisches Ross sich nicht gern streicheln lässt - wild eben. Der Ausritt selbst war wunderschön, die Natur der Hammer, nur als mein Pferd sich auf einmal hinlegte und mich abwarf, wusste ich wieder warum mir das Ganze nicht ganz geheuer war… ich tausche mit unserem Guide das Pferd und bin froh, als wir 1.5 Stunden später wieder in unserem Ger ankommen. Von dem Ausritt hatten wir noch ein paar Tage was, denn der Muskelkater von dem teppichüberzogenen Holzsattel war nicht übel :-) 

Am letzten Tag geht es in die Hauptstadt. Während das Land selbst unsere Augen noch heute strahlen lässt, hat uns Ulan-Bator wenig berührt. Warum? Es ist eine post-sowjetische Großstadt mit zu vielen Menschen, zu viel Smog und zu wenig zu tun - aber es gibt Duschen und diese nutzen wir nach unserer Ankunft ausgiebig! Abends lotst uns TripAdvisor ins vermeintlich beste Restaurant der Stadt. Es sah wirklich schick aus und war für mongolische Verhältnisse auch sehr teuer. Trotzdem ging es uns nach Ziegenkopf und Nomaden-BBQ besser als nach diesem Edel-Essen. Pizza-machen sollte man wohl doch den Italienern überlassen :-) 

Alles in allem hat uns die Mongolei ziemlich beeindruckt. Die Nomaden, die wir kennenlernen durften, waren extrem zufrieden und strahlten mit jeder Pore Ruhe und Gemütlichkeit aus. Sie haben nicht viel und wollen doch so viel geben. Etwas, dass wir wirklich einmalig fanden. Nachts hört man höchstens das Bellen der Wachhunde, ansonsten ist es so still, das man meint die Sterne funkeln zu hören... und man kann die Milchstraße sehen :-)

Tipps:

  • Den Tour-Anbieter Sunpath Mongolia können wir nur empfehlen. Sie haben uns eine Route ganz nach unseren Wünschen zusammen gestellt und das ganz unkompliziert 
  • Baby-Wipes sind Gold wert und ermöglichen einem die tägliche „Dusche“ 
  • Du redest nicht gerne über Toiletten-Themen? Glaub’ uns nach 8 Tagen Plumpsklo verliert man jegliche Hemmungen :-) 
  • Hörbücher sind super, für alle die bei den wenigen befestigten Straßen wie ich (Jana) nicht im Auto lesen können 
  • Ihr habt Angst von Milchtee und Ziege nicht satt zu werden? Nehmt euch einfach ein paar Snacks mit. Ansonsten hat Oyuna sich aber sehr große Mühe gegeben jedes Essen mit ein wenig Ketchup und Gemüse zu pimpen - immer mit den Worten: „you europeans need some veggies“

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